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01. Februar 2006

Wichtige Accessability-Faktoren im Praxistest

Titel von webusabilityRoger Hudson, Russ Weakley and Lisa Miller beschreiben in Source Order, Skip links and Structural labels die Ergebnisse einer Accessability-Studie mit 20 Teilnehmern. Untersucht wurde die Bedeutung und der Nutzen folgender Kriterien für versierte und weniger geübte Anwender von Screen-Readern: Reihenfolge der Quelltext-Blöcke, Sprungnavigationen und Strukturlabels.

1. Reihenfolge der Quelltextblöcke

In letzter Zeit wird häufiger darüber diskutiert, ob die Reihenfolge der wesentlichen inhaltlichen Quellltextblöcke (Navigation, Inhalt, zusätzlicher Inhalt in der rechten Spalte usw.) die Zugänglichkeit von Webseiten beeinflußt. Das Argument ist, dass der Inhaltsblock vor der Navigation stehen sollte, damit die Benutzer von Screen-Reader schnell zu den relevanten Inhalten gelangen und nicht vorab immer die Navigation lesen/hören müssen.

2. Sprungnavigation

Damit sind Links gemeint, die einen direkten Sprung auf den Inhalt oder die lokale Seitennavigation erlauben. Diese Links können sichtbar platziert sein, oder mit Hilfe von CSS unsichtbar und nur für die Screen-Reader lesbar sein.

3. Strukturlabels

Damit sind Überschriften gemeint, die die unterschiedlichen Navigationsblöcke charakterisieren beziehungsweise deren Zweck beschreiben, zum Beispiel Site-Navigation (oder auch Hauptnavigation) gegenüber Lokale Navigation auf der Seite. Wobei es oft schwierig sein dürfte, hier gute Bezeichnungen zu finden. (Näheres zu diesem Konzept in einem Artikel von maxdesign: About structural labels. Diese Überschriften können wie die Sprungnavigation über CSS vor den sehenden Besuchern versteckt werden.

Ergebnisse

Ich möchte hier kurz die Zusammenfassung übersetzt zitieren:

Ist die Reihenfolge des Quelltextes wichtig für die Benutzer von Screen Readern? In letzter Zeit kam die Idee auf, den Informationsinhalt vor die Navigation zu setzen. Dieser Aufsatz berichtet über die Ergebnisse unserer Untersuchung zur Relevanz von und Wichtigkeit der Quelltext-Reihenfolge, Sprung-Navigationen und Struktur-Labels für die Benutzer von Screen Readern.

Unsere Ergebnisse legen nahe:

  • Die meisten Screen-Reader Anwender erwarten letztlich die die Hauptnavigation vor dem Informationsinhalt der Seite.
  • Für die Mehrheit der Anwender ist die Reihenfolge des Quellcodes von eher geringer Bedeutung.
  • Etwa die Hälfte der Anwender von Screen Readern fand Sprung-Navigationen hilfreich.
  • Alle Teilnehmer fanden den Einsatz von Struktur-Label, die die unterschiedlichen Ebenen der Navigation wiedergeben, sinnvoll.

Dieser Aufsatz kommt zum Schluss, dass zum Erreichen der Barrierefreiheit die Qualität des tatsächlichen Quellcodes wichtiger ist als die Reihenfolge der Inhalte. Logische und mit passenden Markup versehene Überschriften, beschreibende Linktexte und eine klare Identifikation der verschiedenen Navigationsebenen erlauben den Anwendern, die technischen Möglichkeiten ihrer Screen-Reader am effektivsten einzusetzen.

Quelle: Source Order, Skip links and Structural labels

Anmerkung

Das Verstecken von Inhalten (in diesem Fall Sprungnavigation und Strukturlabels) mit Hilfe von display:none oder durch ein Platzieren ausserhalb der Seite ist nicht ganz unproblematisch. Es besteht generell die Gefahr, dass Suchmaschinen diese Technik als Spam klassifizieren, schließlich wird genau diese Technik oft von SEOs benutzt um eine Seite zu puschen. Auf threadwatch findet sich eine interessante Diskussion, die das thematisiert. Darin beschwichtigt der Google-Ingenieur Matt Cutts die Diskussionsteilnehmer und sichert zu, dass Google nicht das Kind mit dem Bad ausschütten wird - eine Pauschalauskunft, die nicht so recht befriedigt. Zweifel bleiben deshalb, zumal Google schon angekündigt hat, schärfer gegen Spammer vorzugehen (siehe meinen Artikel Deutscher Spam und Google. Am besten wäre es, wenn Google versteckten Inhalt einfach ignoriert beziehungsweise nicht in die Wertung einbezieht und nicht die Nutzung durch schlechtes Rankung oder Rauswurf abstraft. Eine Unterscheidung zwischen Accessability und Spam scheint mir hier kaum möglich, zumindest nicht in automatisierter Form.

PS: Hier der Orignalartikel, auf den sich die Diskussion bezieht: SEO Mistakes: Unwise comments von Matt Cutts.

Von Peter am 01.02 um 16:38 Uhr. Kategorie: HTML-CSS | Suchmaschinen | Barrierefreiheit

Trackbacks

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Kommentare

  1. Kommentar von Heiko am 01. 02 um 17:49 Uhr:

    Hatte mir vor zwei Wochen den Artikel auch zu Gemühte geführt und war dann doch überrascht wie “realtiv unwichtig” die Reihenfolge des Quelltextes für geübte User von Screenreadern oder Texteditoren ist. Nur für Anfänger in diesem Bereich ( wie in jedem anderen auch ) ist es durchaus von Vorteil, das eine bestimmte Reihenfolge eingehalten wird. War auf jeden Fall sehr interessant die Studie bzw. der Test. Schade nur das es nicht wirklich viele Teilnehmer gab, mit denen hätte der Test vielleicht noch ein wenig aufschlussreicher sein können ;o(

  2. Kommentar von Peter am 01. 02 um 18:10 Uhr:

    Hallo Heiko,

    ja, das stimmt, es sind zu wenig Teilnehmer. Statistisch sind die Ergebnisse nicht signifikant. Aber besser als nichts.

    Mich überrascht es eigentlich nicht so sehr. Die meisten Teilnehmer der Studie waren geübte Anwender der Screen-Reader. Diese Programme haben ja Techniken, mit denen man Navigationsblöcke erkennen und überspringen kann. Da die meisten Seiten keine Rücksicht darauf nehmen, müssen die Screen-Reader letztlich damit ausgestattet sein. Der wesentliche Schluss der Autoren ist ja folgerichtig, die Webseiten so zu bauen, dass die Anwender die Hilfen ihrer Software ohne Hürden und effizient einsetzen können.

  3. Kommentar von Heiko am 02. 02 um 10:44 Uhr:

    Bin absolut deiner Meinung, man müsste viel mehr von den Erfahrungen dieser User in seine tägliche Arbeit mit einfliessen lassen, was nicht zwangsläufig heisst das eine Webapplikation simpler wird. Meines Erachtens erfordert dieser Schritt bei der Entwicklung von Software und Webpräsentationen, eigentlich noch mehr Kreativität, als wenn man dies nicht berücksichtigen würde.

    Mit Eurem Einverständniss würde ich eure Seite gern bei mir im Blogroll mit aufnehmen, da die Leser meines Blogs von Euren Artikeln dun Diskussionen profitieren sollten. Vielleicht findet sich ja auch der ein oder andere der sich für Seminare von Euch interessiert.

    Alles natürlich nur mit Eurem Einverständniss.

    Wünsche noch eine erfolgreiche Woche Peter!

  4. Kommentar von Peter am 02. 02 um 12:47 Uhr:

    Aber klar, gerne. Würde mich sehr darüber freuen, wenn du uns aufnimmst; ich lese webstandard seit längerem mit und beteilige mich auch an Diskussionen dort.

    Ich kann mich leider nicht revanchieren, zumindest im Moment noch nicht, da ich kein Blogroll auf der Sesite habe. Werde ich demnächst machen (weil sinnvoll), aber im Moment komme ich nicht dazu.

  5. Kommentar von Heiko am 02. 02 um 13:15 Uhr:

    Kein Problem Peter und das du an den Diskussionen teilnimmst ist mir natürlich nicht verborgen geblieben ;o)

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