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24. Februar 2008

sIFR3: Dynamische Schriftersetzung auf Webseiten mit Flash

sifr IllustrationIn der aktuellen t3n (Nr. 11, März 2008) habe ich eben den Artikel »Typografische Möglichkeiten bei der Webseitengestaltung« gefunden. Er beschreibt eine dynamische Schriftersetzungstechnik namens sIFR3, die während des Ladevorgangs der HTML-Seite mit Hilfe von JavaScript Headlines erkennt, diese ausblendet und durch Flashfilme ersetzt. Da in den Flashfilmen eine individuelle Schrift eingebettet ist, kann die Headline so mit dieser Schrift angezeigt werden.

Die Technik funktioniert in etwa so:

Die Seite wird zunächst ganz normal in HTML erstellt, mit allen Texten und Headlines. Sie wird mit Hilfe von CSS so gut gestaltet wie möglich, zusätzlich müssen eine Reihe von JavaScript-Dateien und eine CSS-Datei für sIFR3 eingebunden werden. Dann werden für die Headlines Flashfilme (.swf) angelegt, und zwar für jede Schrift ein Film. In diese Flashfilme wird jeweils die Schrift mit allen benötigten Zeichen eingebettet. Zusätzlich muss noch mit Hilfe eines überschaubaren JavaScripts angegeben werden, welche Tags oder CSS-Elemente durch welchen Flashfilm ersetzt werden sollen; darin müssen ausserdem die grundlegenden typografischen Eigenschaften definiert werden (Größe, Farbe und so weiter).

Beim Laden der Seite wird bei aktiviertem JavaScript und installiertem Flash-Plugin die jeweilige Headline per DOM-Zugriff ausgelesen und mittels eines CSS-Attributs unsichtbar gemacht. Danach wird der passende Flashfilm aufgerufen, diesem die Schrift und ggf. der Link übergeben, und an Stelle der normalen Überschrift gezeigt. Ist JavaScript nicht aktiv oder das Flash-Plugin nicht installiert, passiert gar nichts: die Seite wird einfach als normale HTML-Seite präsentiert.

Sie finden hier ein Beispiel mit zwei verschiedenen Schriften. Schalten Sie zum Testen ruhig mal in Ihrem Browser JavaScript bzw. das Flash-Plugin aus; Sie werden feststellen, dass die Seite trotzdem funktioniert.

Auf den ersten Blick das Ei des Kolumbus für Typografie im WEb. Diese Technik ist nicht neu, insbesondere bei praegnanz.de wurde sie bereits ausführlich diskutiert. Leider geht der Artikel in t3n nur auf die Vorteile von sIFR3 ein, die zugegeben ziemlich verlockend sind. sIFR hat jedoch auch ein paar Nachteile.

Vorteile

  • Mit sIFR können individuelle Schriften auf der Webseite gezeigt werden;
  • sIFR kann leicht implementiert werden, auch in CMS-Systeme;
  • diese Schriften müssen nicht als Bilder gerendert werden;
  • die Texte können dynamisch erstellt werden;
  • sIFR ist ist halbwegs barrierefrei;
  • Suchmaschinen finden den normalen Text, sIFR ist also sehr suchmaschinenfreundlich;
  • Copy & Paste scheint zu funktionieren;
  • und der Ausdruck scheint seit Version 3 ebenfalls zu funktionieren

Es bleiben jedoch einige Nachteile

  • Die Besucher der Seite können die verwendeten Flashfilme einfach auf ihren Rechner herunterladen und selbst in ihre Webseiten einbinden. Das bedeutet, sie können auf diesem Weg eine Schrift einsetzen, die sie selbst nicht gekauft haben – das ist urheberrechtlich zumindest bedenklich. Dieser Missbrauch kann seit Version 3 allerdings stark eingeschränkt werden, indem in den ActionScript-Dateien ein Array mit erlaubten Domains definiert wird. Das sollte allerdings auch immer gemacht werden.
  • Das Rendering der Seite ist deutlich verzögert - je nach Leistungsfähigkeit des Rechners muss man mehr oder weniger lang auf die Headlines warten.
  • Das Zoomen der Flash-Headlines funktoniert nicht wie bei normalem Text. In Safari muss ich zuerst die gewünschte Zoomstufe einstellen und dann die Seite neu laden. Dieser Nachteil wirkt sich allerdings nicht dramatisch aus, da viele Browser die Zoomstufe für die Domain merken und die Headlines der Folgeseiten automatisch in der richtigen Größe darstellen. Das konnte ich zumindest für Safari und Firefox testen.
  • Beim ersten Aufruf der Seite müssen erheblich mehr Daten geladen werden: etwa 35 KB an zusätzlichem JavaScript- und CSS-Code sowie ca. 30-50 KB pro Flashfilm (= pro verwendeter Schrift).
  • Links können nicht per Rechtsklick (oder Ctrl-Klick am Mac) in neue Tabs geladen werden
  • Copy und Paste geht zwar, aber die Markierung wird am Monitor oft nicht gezeigt.
  • Beim Ausdruck wird auf die CSS-Formatierung zurückgegriffen, er sieht also optisch anders aus als die Monitordarstellung
  • Zur völligen Barrierefreiheit fehlt noch einiges, zum Beispiel können Links, die auf den Flash-Headline liegen, nicht per Tabulator angesprungen werden.

Diese Nachteile sind nicht gravierend, können Besucher aber irritieren. Man sollte also abwägen, ob man sIFR für die jeweilige Zielgruppe einsetzen kann/soll oder nicht. Insbesondere wenn die Seite barrierefrei sein soll, würde ich abraten. Auf jeden Fall sollte man immer die Flashfilme auf die eigene Domain einschränken, sonst handelt man sich eventuell rechtliche Probleme ein.

Wer sich genauer informieren will:

Von Peter am 24.02 um 18:40 Uhr. Kategorie: HTML-CSS | Mediengestaltung

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Kommentare

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