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06. August 2006

QuarkXpress 7 im Test. Teil 1: Unicode-Schriften

QuarkXpressIn letzter Zeit erreichen mich häufiger Kundenanfragen zu den neuen Features von QuarkXpress 7: wie erstellt man am besten druckvorstufentaugliche PDFs aus Version 7, kann man ohne Bedenken Unicode-Schriften oder Transparenzen verwenden, wie geht man mit dem neuen Farbmanagement um und so weiter. Ich mache deshalb im Moment eine Reihe von systematischen Tests mit QuarkXpress und werde die Ergebnisse hier in einer losen Folge von Artikeln veröffentlichen. Im ersten Teil beschäftige ich mich mit den neuen Unicode-Möglichkeiten in QuarkXpress 7. Was geht, was geht nicht und wo liegen Stolpersteine.

Alle Tests erfolgen zunächst mit QuarkXpress Version 7 unter Mac OS X 10.4.7, Tests unter Windows folgen später. Schwerpunkt meiner Tests liegt immer auf der Weiterverarbeitung in einem PDF-Workflow, das heisst auf der PDF-Erstellung und weniger auf der direkten Ausgabe / Belichtung aus QuarkXpress heraus.

1. Unicode-Unterstützung

Kurz zusammengefasst: ja, QuarkXpress kann jetzt mit Unicode-Schriften umgehen und erkennt auch die erweiterten Zeichen. Der Umgang und die Ausgabe ins PDF ist im Großen und Ganzen problemlos und produktionssicher. Ein paar Fallen gibt es allerdings.

Es können jetzt alle Schrifttechnologien verwendet werden, die Mac OS X bietet:

  • PostScript Type 1
  • die bekannten Truetype-Schriften von OS 9
  • die neuen OS X-Truetypes (Endung .dfont, Unicode)
  • Windows Truetypes (Endung .ttf, Unicode)
  • und Opentype (Endung .ot, Unicode-Schriften mit erweiterten typografischen Fähigkeiten)

Dabei werden alle Zeichen erkannt und nach meinen Tests auch korrekt ins PDF geschrieben, und zwar egal, ob der PDF-Export von QuarkXpress genutzt wird oder der Weg über eine PostScriptdatei und den Distiller. Doch zu diesem Thema weiter unten.

2. Komfortable Eingabe mit dem Glyphen-Fenster

Bekanntlich sind die meisten Zeichen von Unicode-Schriften nicht auf der Tastatur zu finden, man benötigt also Hilfsmittel für die Eingabe. Um auf die Zeichen anderer Sprachen zuzugreifen, reicht es aus, jeweils die Tastaturbelegung umzuschalten und in der Fremdsprache zu schreiben – vorausgesetzt, man weiß, wo die Buchstaben liegen. Wenn man das nicht weiß, oder wenn man Zeichen eingeben will, die auch in Fremdsprachen nicht auf der Tastatur liegen, so kann man auf ein Glyphen-Fenster zugreifen, das im Menü Fenster zu finden ist:

Fenster Glyphen im Menü Fenster von QuarkXpress

Das Glyphen-Fenster erkennt die Schrift des Absatzes / der Zeile, in der der Cursor gerade steht und zeigt sofort die Glyphen-Tabelle dieser Schrift an. Sie können allerdings auch eine andere Schrift auswählen, ein Zeichen auswählen und per Doppelklick in den aktuellen Textrahmen einfügen. Wenn Sie einzelne Zeichen häufiger brauchen, können Sie diese Zeichen in die untere Zeile »Bevorzugte Glyphen« ziehen und von dort aus einsetzen.

Achtung Falle: Beim Einfügen wird die jeweilige Schriftinformation ebenfalls eingefügt. Wenn Sie also im Glyphen-Fenster eine andere Schrift auswählen als in der aktuellen Zeile beiehungsweise im aktuellen Stil, so wird das eingefügte Zeichen automatisch mit der neuen Schrift aus dem Glyphen-Fenster formatiert. Das kann viel Arbeit sparen; allerdings kann es bei unvorsichtiger Anwendung auch dazu führen, dass ungewollt einzelne Zeichen mit zusätzlichen Schriften formatiert werden. Die Gefahr besteht besonders bei Verwendung der »Bevorzugten Glyphen«.

Achtung Falle: Wenn Sie die Datei anschließend in ein PDF umwandeln und an eine Druckerei weitergeben wollen, so müssen Sie darauf achten, dass die verwendeten Schriften auch eingebettet werden können bzw. dürfen. Truetypes und Opentypes können einen so genannten »Einbettungsflag« enthalten, der die Einbettung ins PDF verbietet. Sowohl der PDF-Export von QuarkXpress wie auch der Distiller beachten das und betten die Schrift nicht ein. Sie erhalten statt dessen eine Log-Datei mit einer Fehlermeldung. Bei Mac OS X werden mehrere Unicode-Schriften mitgeliefert, für die das zutrifft, unter anderem die chinesischen Schriften.

3. Mac OS X Zeichenpalette

Das Glyphen-Fenster von QuarkXpress ist einfach und komfortabel zu nutzen. Wer mehr braucht, kann zusätzlich die Zeichenpalette von OS X benutzen. Diese steht allerdings nicht wie in vielen anderen Programmen über das Menü Bearbeiten zur Verfügung; offiziell kann man sie aus QuarkXpress heraus nicht aufrufen. Trotzdem wird sie vollständig unterstützt.

Um die Zeichenpalette von OS X zu nutzen, müssen Sie diese zuerst aktivieren. Das geschieht über Systemeinstellungen – Landeseinstellungen:

Systemeinstellungen - Landeseinstellungen

Aktivieren Sie die Zeichenpalette und die Option »Tastaturmenü in der Menüleiste anzeigen«. Dadurch erhalten Sie im Menü rechts oben eine kleine Flagge. Darunter können Sie die Zeichenpalette von Mac OS X aufrufen.

Zeichenpalette von os X

Die Handhabung ist prinzipell genauso wie beim Glphen-Fenster von QuarkXpress: Zeichen suchen und per Doppelklick einsetzen. Es gibt allerdings ein paar Unterschiede:

  • Es wird nicht automatisch die Schrift ausgewählt, die sich unter dem Cursor befindet. Sie müssen also die Schrift in der Zeichenpalette eigens auswählen, was die Handhabung etwas umständlicher macht.
  • Allerdings bietet die Zeichenpalette viel mehr Möglichkeiten, bestimmte Zeichen zu suchen: zum Beispiel zeigt die Rubrik »Ähnliche Zeichen« alle Schriftvarianten an, die momentan aktiviert sind und den aktuellen Glyph enthalten, ausserdem kann man nach bestimmten Glyphen suchen.
  • Sie können sehr viel mehr Favoriten definieren.

Welch weitreichende Möglichkeiten die Zeichenpalette bietet, zeigt der folgende Screenshot:

Zeichenpalette - 2

Es ist Geschmacksache, ob Sie lieber das Glyphen-Fenster oder lieber die Zeichenpalette verwenden. Da ich mit vielen Programmen arbeite würde ich die Zeichenpalette des Systems vorziehen. Wer überwiegend nur mit QuarkXpress arbeitet wird sich wohl für das Glyphen-Fenster entscheiden, schon allein wegen der automatischen Umschaltung der Schriften. Es lohnt sich aber, sich intensiver mit der Zeichenpalette von OS X auseinanderzusetzen.

4. Tastatur

Wie die Zeichenpalette wird auch das Kontrollfeld Tastatur unterstützt. Sie müssen es wie die Zeichenpalette in den Systemeinstellungen – Landeseinstellungen eigens aktivieren, dann steht es unter der Flagge im Menü zur Verfügung.

Kontrollfeld Tastatur

Ein Klick auf den dritten Knopf in der Fensterleiste (den grünen) vergrößert bzw. verkleinert übrigens das Fenster. Normalerweise tippt man nach dem Öffnen der des Tastatur-Kontrollfelds einfach weiter und kann im Tastaturfenster mitverfolgen, welcher Buchstabe gerade getippt wird. Wenn man die Umschalt- oder Alt-Taste drückt, kann man auch die Sonderzeichen sehen. Das Kontrollfeld Tastatur ist besonders bei Fremdsprachen interessant, da es immer die Tastenbelegung der aktuell ausgewählten Sprache anzeigt.

5. Opentype

QuarkXpress 7 unterstützt nicht nur den erweiterten Zeichensatz der Opentype-Schriften sondern auch deren zusätzlichen typografischen Möglichkeiten. Sie finden in der Werkzeugleiste ein neues Icon:

Opentype-Werkzeug

Es ist immer aktiv, aber es enthält nur dann aktive Einstellmöglichkeiten, wenn Sie eine Opentype-Schrift ausgewählt haben (erkennbar zum Beispiel an dem »Pro« im Namen):

Opentype

Ich finde besonders die verschiedenen Ziffern und Brüche sehr interessant. So sieht das zum Beispiel in einem QuarkXpress-Textrahmen aus:

Opentype-Beispiel

6. Datenaustausch über Zwischenablage

Sie können erweiterte Zeichen prinzipiell über die Zwischenablage in QuarkXpress einkopieren beziehungsweise umgekehrt aus QuarkXpress heraus in ein anderes Programm kopieren, es gibt dabei allerdings einiges zu beachten. Ich habe das Umkopieren zwischen TextEdit, QuarkXpress 7 und Indesign CS 2 getestet; das Ergebnis des Kopiervorganges hing vor allem von den verwendeten Schriften und teilweise von den Grundeinstellungen des Zielprogrammes ab:

Umkopieren von Text in Nicht-Unicode-Schriften (zum Beispiel Type 1): Hier wurde in meinen Tests die Schriftinformation beim Kopieren nicht nicht mitgenommen, so dass im Zielprogramm nochmals die richtige Schrift zugewiesen werden musste, damit die richtigen Zeichen gezeigt wurden.

Umkopieren von Text in Unicode-Schriften: Werden nur Standardzeichen verwendet, verhält es sich genauso wie bei den Nicht-Unicode-Schriften: die Schriftinformation wird nicht mitkopiert und muss in QuarkXpress neu zugewiesen werden. Wenn allerdings Glyphen aus dem erweiterten Zeichensatz umkopiert werden, so wird die Schriftinformation mitkopiert und dem einkopierten Text automatisch zugewiesen – auch dann, wenn der Absatz mit einer anderen Schrift formatiert wurde!

Achtung Falle: durch das Umkopieren von Unicode-Zeichen erhält man unter Umständen unversehens Schriften im Dokument, die man gar nicht haben will. Nach dem Einkopieren können diese Schriften zwar ohne Probleme durch andere ersetzt werden, aber natürlich ausschließlich durch andere Unicode-Schriften. Sie können Unicode-Glyphen letztlich nur mit Unicode-Schriften formatieren und müssen deshalb wissen, welche Schriften Unicode sind und welche nicht.

Achtung Falle bei Opentype: Opentype-Schriften verwenden für einen Teil ihrer typografischen Effekte (zum Beispiel für die Kapitälchen oder die Ligaturen) den sogenannten »Privat nutzbaren Bereich« der Unicode-Tabelle. Das sind die Zeichen zwischen E000 und F900. Glyphen in diesem Bereich können über die Zwischenablage nur innerhalb von QuarkXpress kopiert werden und nicht von einem anderen Programm in Quark oder von Quark in ein anderes Programm. Beim Kopieren zwischen verschiedenen Programmen gehen diese Glyphen immer verloren und können im Zielprogramm nicht wieder hergestellt werden. Man erhält im besten Fall leere Kästchen. Da das auch bei anderen OS X Programmen und bei Indesign der Fall ist, vermute ich den Fehler allerdings eher beim System als bei QuarkXpress (wenn man das nicht sogar als Feature betrachten muss... ).

Glücklicherweise sind davon nicht die Zeichen betroffen, die über die Tastatur eingeben werden, sondern nur der oben erwähnte Bereich. Man sollte deshalb Kapitälchen oder Ligaturen bei Opentypes nie über das Glyphen-Fenster oder über die Zeichenpalette eingeben, sondern immer als normalen Text, und anschließend mit dem Opentype-Werkzeug in der Werkzeugleiste den entsprechenden typografischen Effekt zuweisen. So erstellt kann der Text umkopiert werden, allerdings muss im Zielprogramm (zum Beispiel Indesign) der Opentype-Effekt neu zugewiesen werden.

7. Ausgabe ins PDF

In meinen Tests wurden die Unicode-Schriften mit allen Glyphen anstandslos korrekt ins PDF geschrieben, und zwar sowohl über die Exportfunktion wie auch über PostScriptdatei und Distiller. Die PDF-X-Erstellung lief problemlos, Preflights ergaben keine Fehler. Die Weiterverarbeitung in der Druckvorstufe sollte deshalb problemlos sein.

Allerdings werden die Schriften dabei von QuarkXpress alle in Type-1-Subsets konvertiert, sowohl die Opentypes wie auch die Truetypes. Hier mein Testbeispiel als PDF (über Export erstellt):

Testdatei

Die Karteikarte Schrift in den Dokumentinformationen:

Karteikarte Schrift

Deutlich zu sehen, dass alle Schriften Type 1 geworden sind. Das hat den Vorteil, dass praktisch alle RIPs problemlos damit klar kommen sollten, da sie gar keine Unicode-Schriften mehr zu Gesicht bekommen.

Allerdings gibt es Probleme, wenn im fertigen PDF der Text nachträglich bearbeitet werden soll/muss.

Die Exportfunktion von QuarkXpress bettet die Schriften grundsätzlich als Untergruppe ein. Beim Weg über den Distiller kann man zwar in den Distilleroptionen einstellen, dass die Schriften komplett eingebettet werden sollen. Wie zu erwarten zeigt die Karteikarte Schriften danach auch an, dass die Schriften komplett eingebettet wurden – es stimmt allerdings nicht. Bei der Umwandlung in Type 1 werden nur die Zeichen umgewandelt, die auch verwendet wurden. Nur diese werden letztlich auch ins PDF eingebettet ...

Das heisst, bis auf die originalen PostScript-Type-1-schriften werden alle Schriften faktisch so eingebettet, dass sie sich im PDF wie eingebettete Untergruppen verhalten, zudem mit benutzerdefinierter Kodierung.

Das hat Konsequenzen: Eine Bearbeitung mit dem Touchup-Textwerkzeug in Acrobat 7 ist nicht mehr möglich, egal ob die Schrift komplett oder in Untergruppen eingebettet wurde. Die benutzerdefinierte Kodierung kann nämlich nicht aufgelöst werden, und man bekommt beim Speichern folgende Fehlermeldung:

Fehlermeldung

Achtung Falle: die Datei wird trotz dieser Meldung gespeichert, aber das Zeichen landet dabei als durchgestrichenes Kästchen im PDF:

Fehler im pdf

Autsch! Ein anschließender Preflight zeigt keine fehlende Schrift und auch sonst keinen Fehler – das heisst, diese Datei ist zerstört, und Sie finden den Fehler nur noch, wenn Sie die Datei Zeichen für Zeichen durchsehen! Deshalb hier nochmals die Empfehlung: verwenden Sie das Touchup-Werkzeug von Acrobat nur im alleräussersten Notfall, und machen Sie sich darauf gefasst, das gesamte Dokument anschließend visuell zu prüfen.

Auch eine Bearbeitung mit Pitstop ist nur noch eingeschränkt möglich. Sie können Text ändern, allerdings dabei nur Zeichen verwenden, die auch eingebettet wurden. Egal, was in der Karteikarte Schrift angezeigt wird und wie die Konfiguration des Distillers aussah : Pitstop verhielt sich in jedem Fall so, wie man es von Schriften kennt, die als Untergruppe eingebettet wurden. Waren die benötigten Zeichen an irgendeiner Stelle im Text vorhanden, war eine Bearbeitung möglich, ansonsten nicht.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass aufgrund der Umwandlung in Type 1 die Weiterverarbeitung von Unicode-Schriften sehr stabil sein sollte, Texte mit Unicode-Schriften im PDF aber nicht mehr (oder nur noch sehr eingeschränkt) bearbeitet werden können. Das gilt für alle Unicode-Schriften, sowohl Truetypes wie Opentypes. Das bestärkt mich weiter darin, von einer Bearbeitung von Text in Druckvorstufen-PDFs generell abzuraten. Wann immer möglich, sollte ein neues PDF erstellt werden.

Mein Fazit zu den Unicode-Fähigkeiten von QuarkXpress:

Die Unicode-Fähigkeiten von QuarkXpress sind sehr gut und praxistauglich. Allerdings sollte man sich mit den unterschiedlichen Schrifttechnologien befassen und zumindest zwischen Unicode- und Nicht-Unicode-Schriften unterscheiden lernen, sonst wird man zwangsläufig in einige der erwähnten Fallen tappen.

Inhaltsverzeichnis

Von Peter am 06.08 um 16:34 Uhr. Kategorie: Acrobat | Mac-OS-X | Medienfachwirt | Mediengestaltung

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Kommentare

  1. Kommentar von Tino Haida am 03. 03 um 17:55 Uhr:

    zu Quark 7:
    ich habe jetzt ein chinesisches Dokument gesetzt. Die Schrifteinbettung in der PDF lief gut.
    Mein Problem: in den Quark-Menüs werden die Schriftnamen in den eigenen Zeichensätzen angezeigt - bei den vielen asiatischen Fonts also in den jeweiligen asiatischen Zeichen. So hat man keine Chance, die richtige Schrift zu finden. Ich habe als Workaround alle nicht benutzten Schriften deinstalliert.
    Haben Sie eine Idee, wo man das in Quark umstellen kann? So wie in Illustrator oder Photoshop mit “Schriftnamen auf Englisch"…
    Viele Grüße
    Tino Haida

  2. Kommentarseite 1 von 1.



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