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25. November 2005

Contentpflege in Blogs – Willkommen in der Steinzeit

Illustration der Steinzeit: MenschenaffeRegt es eigentlich ausser mir niemand auf, dass wir unsere tollen Internet-Blogs noch immer auf die gleiche Art mit Content füllen wie 1989 Tim Berners-Lee seine erste WWW-Seite – nämlich durch Eingabe von HTML-Tags? Ich suche seit Wochen nach einem Editor oder einem Skript, das es mir ermöglicht, meinen Content ohne HTML zu erfassen und trotzdem im Blog selbst valides HTML 4 oder XHTML zu erhalten. Ich bin nicht fündig geworden.

Content im Browserfenster eingeben

Darüber braucht man sich eigentlich nicht zu unterhalten: HTML-Quellcode schreiben ohne Syntaxauszeichnung, da kann ich meinen Text genauso in Simple-Text oder im Windows-Editor verfassen. Das ist Internet-Steinzeit, das reisst auch die Rechtschreibprüfung in Safari nicht raus. Einzig sinnvolle Arbeitsweise wäre, die Texte in einem HTML-Editor zu verfassen und umzukopieren, wobei man wieder auf die Rechtschreibprüfung verzichten muss.

MarsEdit

Icon von MarsEditMarsEdit ist ein viel gerühmter und oft verwendeter Weblog-Editor. Er hat unbestreitbar seine Stärken wie zum Beispiel seine Zusammenarbeit mit NetNewsWire oder den Upload von Bildern, aber die Textbearbeitung besteht letztlich aus einem reinen HTML-Editor – und der ist nicht mal gut. Am sinnvollsten ist es, den HTML-Quelltext in einem ordentlichen Editor zu verfassen und ihn dann in MarsEdit via Zwischenablage einzufügen. Anschließend die Links nachtragen und die Bilder platzieren. Unter einem komfortablen Weblog-Editor stelle ich mir was anderes vor, zumal wegen der vielen HTML-Tags die Rechtschreibprüfung nicht sinnvoll eingesetzt werden kann.

Ecto

Ecto-Logo-1Der Entwickler von ecto versucht wenigstens, einen ordentlichen Editor anzubieten, den man sowohl in HTML wie in einem Rich-Text-Modus betreiben kann. Im Rich-Text-Modus kann man Text erfassen, Listen erstellen und Wörter fetten oder kursiv stellen und noch ein paar Formatierungen mehr. Leider hat der Editor enge Grenzen und einige massive Fehler, die es erforderlich machen, immer wieder in den HTML-Modus zu schalten, um nachzubessern. Dabei stellt sich schnell heraus, dass beide nicht kompatibel sind. Folgende Probleme treten auf:

  • Der Rich-Text-Modus kann zwar Schrift formatieren (über das style-Attribut), aber keine Überschriften wie <h1> etc.
  • HTML-Tags, die der Rich-Text-Editor nicht erkennt, werden beim Umschalten einfach gelöscht.
  • Leider kennt der Rich-Text-Editor nur sehr wenig Tags – und <h1> gehört nicht dazu.
  • Tabellen-Tags kennt er auch nicht – Tabellen werden somit entfernt, wenn man in den Rich-Text-Modus umschaltet.

Ich habe den Texteditor von ecto bereits in einem Beitrag genauer beschrieben, allerdings waren mir damals noch nicht alle Bugs und Unbequemlichkeiten klar. Um die Funktionen von ecto nutzen zu können, mache ich momentan folgenden Tanz:

Reine Texterfassung: Ich erfasse zunächst den Text im Rich-Text-Modus, so gut es geht. Ich vermeide dabei alle komplizierten Formatierungen und konzentriere mich rein auf den Inhalt. An Formatierungen sind nur fett, kursiv und Absätze wirklich möglich. Listen gehen nur, wenn ich vorher die Listeneinträge komplett fertig in einzelne Zeilen schreibe und erst danach in Listen konvertieren lasse. Etwaige Links lasse ich ecto sofort einsetzen, aber keine Bilder. Dabei ist es absolut wichtig, mit dem Rich-Text-Modus zu beginnen: wird der Text zuerst im HTML-Modus erfasst und dann in den Rich-Text-Modus umgeschalten, dann schreibt ecto unsinnige Tags wie <p style=“font.family: usw”> um den Text. Das kann man nicht abschalten, nur umgehen.

Korrekturen: Danach lese ich den Eintrag durch und lasse die Rechtschreibprüfung drüber laufen. Erst wenn wirklich alles stimmt, mache ich weiter. Der Grund liegt darin, dass ich ab dem nächsten Schritt nicht mehr in der Rich-Text-Modus zurück darf.

Bilder einsetzen: Die Bilder lasse ich noch im Rich-Text-Modus einsetzen. ecto kann automatisch Bilder zu Miniaturen verkleinern und mit Links zu den großen Bildern versehen und noch einiges mehr. Auch das ist teilweise umständlich gelöst und muss immer nachbearbeitet werden, weil man keine Templates abspeichern kann, aber es ist in jedem Fall besser, als vorher die Bilder in Photoshop zu bearbeiten und den HTML-Text von Hand zu editieren. Spezieller Nachteil ist, dass ecto immer versucht, Attribute wie hspace, vspace, border etc. einzufügen, die ich nicht will und deshalb immer entfernen muss. Aber es ist eine Funktion, die trotzdem viel Arbeit spart – wenn sie auch bei weitem nicht meinen Anspruch an einen bequemen und eleganten Weblog-Editor erfüllt.

HTML bereinigen: Nach Abschluss dieser Arbeiten schalte ich in den HTML-Modus und bereinige den Quelltext. Eventuelle Style-Angaben müssen raus und alle HTML-Fehler, die der Rich-Text-Editor zum Beispiel manchmal bei Listen macht, muss ich entfernen.

HTML-Tags ergänzen: Alle HTML-Tags, die der Rich-Text-Editor nicht erkennt, muss ich jetzt manuell eintragen. Das sind zum Beispiel alle Überschriften (die bis jetzt normale Absätze sind), Tabellen und so weiter. Und in dieser Phase darf ich keinesfalls mehr in den Rich-Text-Modus umschalten, sonst zerstört er mir Teile des Markup.

Am Schluss folgt dann der ganze Blog-Stuff: Trackbacks, Kategorien etc., danach kann ich den Beitrag absenden. Alle nachträglichen Korrekturen dürfen nur noch im HTML-Modus erfolgen. Das gilt natürlich auch für Updates.

Fazit

ecto ist eindeutig der leistungsfähigste Weblog-Editor, den ich bis jetzt gefunden habe, aber wirklich gutes und komfortables Arbeiten ermöglicht er noch lange nicht. Ich denke im Moment sogar schon darüber nach, meine Artikel zuerst im Dreamweaver zu verfassen, der kann nämlich alles was ich dazu brauche: wysiwig-Texteingabe, Rechtschreibprüfung und korrektes Markup. Und danach den Quellcode in ecto kopieren und die Links und Bilder ergänzen. Wenn Dreamweaver nicht ein so teurer und langsamer Moloch wäre …

Wenn jemand einen besseren Editor weiss, oder eine andere Idee hat, wie man die Content-Erstellung von HTML befreien kann, wäre ich wirklich sehr dankbar. Ich kann HTML und arbeite auch gerne damit – aber definitiv nicht, wenn ich Content erstelle. Wenn ich texte, will ich texten und nicht programmieren.

Technorati Tags: , , ,

Von Peter am 25.11 um 19:31 Uhr. Kategorie: Mac-OS-X | Blogs | Netzwelt

Trackbacks

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Kommentare

  1. Kommentar von ragi am 26. 11 um 16:18 Uhr:

    Ich bin bei Weblogs und CMS Systemen grossteils wieder von html-Editoren abgegangen, und verwendet nur den normalen Textmodus in Verbindung mit Quicktags (ähnlich den BB-Code).

    Diese Quicktags kann man leicht erweitern, bzw. an seine Bedürfnisse anpassen. So verwende ich hauptsächlich nur die Funktionen bold, kursiv, Überschrift h1, h2, h3, rechtsbündig, zentriert, Link, Listen und Bild-alignright, Bild-alignleft.

    Mehr benötige ich einfach nicht, um einen Artikel zu schreiben. Das Aussehen wir dann jeweils von der CSS-Datei bestimmt.

    Frei nach dem Motto: Je einfacher, umso besser.

  2. Kommentar von Michael am 27. 11 um 10:43 Uhr:

    Hast Du dir mal Markdown oder Textile angesehen? Die Idee bei Markdown ist, dass es gar nicht versucht, alles zu erschlagen - Markup ist also ab und zu noch notwendig – aber alle häufigen Tags sind abgedeckt.

  3. Kommentar von Peter am 27. 11 um 17:47 Uhr:

    @ragi und Michael: Danke für Eure Anregungen; ich werde es mir gründlich ansehen, allerdings brauche ich etwas dazu. Aber ich werde über meiner Versuche berichten :-)

  4. Kommentar von CottonIJoe am 01. 12 um 16:24 Uhr:

    Ich hätte jetzt auch Markdown und Textile erwähnt…
    Markdown ist (glaube ich) simpler, Textile hat dafür mehr Möglichkeiten. Beide sehr brauchbar, nur sind beide (bei textile bin ich mir sicher) eigentlich nicht “free as in speech”, d.h. man kann sie sich nicht einfach irgendwo verbauen. In WordPress sind beide aber als Plugin mit im Paket dabei (darüber kann man sich natürlich auch den Quellcode anschauen...)

  5. Kommentar von Peter am 01. 12 um 17:06 Uhr:

    Markdown und Textile gibt es in der Tat als Plugins für ExpressionEngine. Bin dabei, es auszuprobieren … Danke für den Tipp.

  6. Kommentar von CottonIJoe am 18. 12 um 13:01 Uhr:

    Ähm, tschuldigung: sowohl textile als auch markdown sind open source. hab das oben komplett falsch geschrieben…

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