Zwar schon etwas älter, aber weil ich es eben erst gefunden habe: Ralf Tartuschis Nachruf auf die Arial im Publisher. Sehr lesenswert, nicht nur für Typografen, aber für die besonders :-)
»Auch mit bestem Willen bleibe ich dabei. Die Arial ist lieblos, unausgeglichen und verbeult, sie hat mir noch nie Freude bereitet. Microsoft gab ihren Kunden damals wirklich keinen Anlass zum Jubeln. So wie es jetzt aussieht, tauscht Microsoft ein Plagiat gegen ein neues aus. Falls Sie heute Frutiger als Hausschrift verwenden, wie die Post, UBS und wohl noch weitere, kann ich Ihnen nur raten, zu wechseln. Ungefähr 2007 werden alle mit dem Frutiger-Plagiat Segoe korrespondieren, das sind Milliarden Briefe, E-Mails und Webseiten täglich, und Ihre wunderschöne Unverwechselbarkeit wird dahin sein. Es sei denn, Sie erkennen den kleinen Unterschied und setzen auf eine neue Individualität. Alternativen gibts glücklicherweise genug.«
Ich habe hier auch die Frutiger als Hausschrift. Wird wohl Zeit zum Wechseln …
Im Laufe einer durchaus emotionalen Diskussion mit meiner Kollegin (ihres Zeichens eingefleischte Typografin) haben wir noch einige Links und Hinweise gefunden. Die Schrift Segoe UI stammt nicht von Microsoft, sondern von Agfa; eine Übersicht über einige Zeichen und eine (englische) Besprechung ist bei hardcovermedia zu finden.
Dass die Segoe UI wenig mit der Tahoma und sehr viel mit der Frutiger zu tun hat, ist der PCwelt offensichtlich nicht so ganz klar …
Wer ist bei Google unter dem Stichwort »Segoe" an erster Stelle? Das Blog von Gerrit von Aaken mit einem erbitterten Artikel gegen die Segoe. Glückwunsch :-) Aber eigentlich ist es kaum zu glauben, wie Google Weblogs bevorzugt. Wie kann es sein, dass ein Weblog – mit einem zugegeben unterhaltsamen Artikel – unter dem Stichwort Segoe an erster Stelle kommt? Vor Microsoft, vor Agfa, vor was weiss ich noch alles? Nichts gegen praegnanz.de (lese ich gerne und jeden Artikel!), aber das ist ja wohl kaum realistisch. Und mit dem vielgerühmten Pagerank kann es doch auch nichts zu tun haben. Aber es gibt viel, was ich bei Google nicht verstehe.
Das CMSBlog denkt etwas anders über die Arial und weist darauf hin, dass sie im Vergleich zur Helvetica doch die bessere Bildschirmschrift sei:
»Gerade die hervorragenden Bildschirmeigenschaften haben die Arial vorangebracht. Wer einmal Helvetica in kleinen Schriftgrößen auf einer Webseite gesehen hat, weiß, wovon ich schreibe: das Kerning stimmt nicht, durch die Bildschirmgättung wirkt der Text blaß.«
Mag sein, dass das unter Windows zutrifft, am Macintosh kann ich zwischen beiden keinen wesentlichen Unterschied erkennen. Ausserdem machen sich Verdana und Geneva doch noch um einiges besser auf dem Bildschirm als Arial und/oder Helvetica. (Auch das CMSBlog verwendet letztlich die Verdana als Bildschirmschrift). Aber als Internetschrift hat die Arial zweifellos ihren Platz; mit der Segoe wird hier vielleicht auch etwas mehr Vielfalt Einzug halten. Das wäre ja nicht das Schlechteste.
Technorati Tags: Google, Segoe, Typografie
Von Peter am 30.11 um 18:36 Uhr. Kategorie: Netzwelt | Mediengestaltung | Lisardo-intern
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